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Kinderdermatologie

Neues aus der Kinderdermatologie

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Aber auch sie weisen Hautkrankheiten auf, häufig spezifisch für bestimmte Lebensphasen.

So treten Hämangiome im ersten Lebensjahr auf und können zweimalig in diesem Zeitraum ein deutliches Größen- und Dickenwachstum zeigen. Früher war und ist in den meisten Fällen auch heute noch bei flachen Hämangiomen die Behandlung mit dem gepulsten Farbstoff-Laser der Goldstandard. Allerdings gibt es sog. High risk Hämangiome, die entweder bei einer Lokalisation an Auge, Nase, Fingern oder Zehen zu monströsem Wachstum neigen oder auch im Genito-Analbereich häufig zu Ulzerationen führen. Sie sprechen nicht zufriedenstellend auf eine Farbstoff-Lasertherapie an. Durch eine Zufallsbeobachtung in Frankreich wurde ein deutlicher Effekt mit Rückbildung auch großer Hämangiome durch systemische Propanololgabe bekannt.

Kinder mit Risikohämangiomen sollten deshalb frühestmöglich einem Zentrum vorgestellt werden, wo diese Behandlung in Zusammenarbeit von Dermatologen und Kinderkardiologen im Rahmen von Studien durchgeführt wird. Die Ergebnisse sind bisher sehr ermutigend.
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Müttern mit Allergieveranlagung in der Familie wurde bisher empfohlen, das Baby mindestens 6 Monate voll zu stillen. Dies wird nun einfacher: neuere Erkenntnisse zeigen, dass dies nur für 4 Monate gilt. Danach beginnt ein Zeitfenster (5.-12. Lebensmonat), in dem sich am besten eine Toleranz gegenüber Nahrungsmitteln entwickelt. In diesem Zeitfenster sollten auch früher verpönte, allergene Nahrungsmittel, z.B. Hühnerei, zugefüttert werden.
Ist in der empfohlenen Stillperiode (1.-4. Lebensmonat) Stillen nicht möglich, sollte auf Hydrolysate der Milch ausgewichen werden, Sojamilch sollte dabei vermieden werden, denn Sojamilch stellt selbst ein wichtiges Allergen dar.
Es wird erstmals empfohlen, dass Mütter während der Schwangerschaft und Stillzeit Fisch, egal ob Fluss- oder Meeresfisch, essen. Auch die Zufütterung von Fisch nach dem 4. Lebensmonat wird empfohlen! Inwieweit dies die Säuglinge akzeptieren, muss offen bleiben.

Kinder lieben Tiere. Viele Eltern sind aber verunsichert, ob Haustierhaltung nicht das Allergierisiko für ihre Kleinen erhöht. Eine prophetische Testung vor Anschaffung eines Haustieres ist sicher nicht sinnvoll. Neuere Veröffentlichungen haben aber gezeigt, dass Katzenhaltung das Risiko, an einem Ekzem zu erkranken, vervielfachen. Dies gilt für Hundehaltung nicht! Insgesamt kann damit der Rat, auf eine Haustierhaltung zu verzichten, insofern gelockert werden, dass zumindest für die Entwicklung eines Ekzems Hundehaltung als nicht wichtig angesehen werden muss. Für allergische Beschwerden an Auge, Nase oder Lunge ist dies noch nicht untersucht.

Nachdem die Therapie mit Calcineurininhibitoren wieder aus der first line Therapie der Neurodermitis in den Leitlinien herausgenommen wurde, hat sich Tacrolimus in Studien bei einer sogenannten “proaktiven Therapie“ bei Erwachsenen und bei Kindern bewährt. Dabei wird nach Abheilung des akuten Neurodermitisschubes die 0,03 % Tacrolimus salbe noch 2x /Woche auf die früher befallenen Areale aufgetragen. Hierunter waren die Intervalle bis zum nächsten Schub deutlich verlängert und die Patienten wiesen insgesamt weniger Ekzeme auf.
Mit großem Medienecho wurde mit Bildern eines bandagierten Säuglings eine Vitamin B12 Creme mit einer angeblich sehr starken Wirksamkeit bei Neurodermitis und Psoriasis in der ARD propagiert. Bis zum heutigen Zeitpunkt liegen für die Neurodermitis 2 (!) Rechts-Links-Vergleichsstudien zur Wirksamkeit mit 48 bzw. 21 Patienten vor. Diese zeigen nur schwache bis moderate Effekte der Creme in Vergleich zu Placebo. Von einer „Heilung“ zu sprechen ist absolut übertrieben. Die Fallzahlen der bisherigen Studien genügen in keiner Weise für eine fundierte wissenschaftliche Stellungnahme. Gesunde Skepsis gegenüber Wunderheilern ist immer noch angesagt, auch wenn sie gut medial verpackt uns angeboten werden.

Weiterhin problematisch bleibt die Behandlung der Tinea capitis im Kindesalter.
Itraconazol ist wirksam in der Therapie einer durch Microsporum canis hervorgerufenen Tinea capitis, ist aber in Deutschland nicht dafür zugelassen. Es bleibt dem Arzt nur die Möglichkeit, nach Aufklärung der Eltern, dies im Sinne eines Heilversuchs zu rezeptieren. Die Therapie sollte mit einer Dosierung von 5mg/kg KG /d über 3-6 Wochen durchgeführt werden. Laborkontrollen sind bei diesem Zeitrahmen nicht erforderlich. Alternativ kommt nur Griseofulvin mit 20 mg/kg KG in Frage. Bei Trichophyten ist Terbinafin bei Kindern indiziert.

Jeweils nach den Schulferien herrscht in Kindergärten und Schulen Läusealarm.
Vielfach werden in den Praxen Kinder vorgestellt, um nach erfolgter Behandlung mit allerlei Substanzen, ein Unbedenklichkeitszeugnis ausgestellt zu bekommen. Meist ist noch Nissenbefall nachweisbar. Nissen alleine zeigen jedoch keine Infektiosität an, auch nicht kopfhautnaher Nissensitz. Andererseits wird nicht jeder aktuelle Kopflausbefall durch die rein körperliche Untersuchung erkannt. Die beste Methode , eine bestehende Infektiosität zu beurteilen besteht darin, die nassen Haare nach Waschen und Behandlung mit einer Spülung mit einem feinzinkigen Kamm auszukämmen (wet combing) um nach lebenden Läusen zu fahnden.
Zur Behandlung sind dann Dimeticonpräparate hervoragend geeignet. Sie wirken aufgrund ihrer physikalischen Wirkung sicher und sind weniger irritierend als die früher verwandten Insektizide, gegen die sich auch zunehmend Resistenzen ausgebildet haben. Ggf. sollte eine zweite, Sicherheitsbehandlung nach 10 Tagen erfolgen.

In der Adoleszenz gehört eine mehr oder minder ausgeprägte Akne zum normalen Erscheinungsbild. Bei männlichen Jugendlichen aber, die eine therapieresistente Akne aufweisen, sollte öfters, genauso wie bei weiblichen Erkrankten, die zusätzlich zu Hirsutismus neigen, an das Vorliegen eines adrenogenitalen Syndroms gedacht werden. Durch 21-Hydroxylasemangel kommt es zu erhöhter ACTH Produktion und verstärkter Bildung von adrenalen Androgenen. Bei Verdacht ist die Bestimmung von 17 Hydroxy-Progesteron in Urin und Blut zu veranlassen. Die Therapie besteht in Prednisolongabe von 2-4 mg/d für 6 Monate.
Im Beipackzettel für die systemische Isotretinointherapie bei Akne sind nach wie vor depressive Symptome als Nebenwirkung gelistet. Zahlreiche Studien haben in den letzten Jahren jedoch gezeigt, dass keine Beziehung zwischen Isotretinoin- einnahme und Depressionen besteht. Dies muss besorgten Eltern leider immer noch im Einzelgespräch erläutert werden. Insgesamt hat sich die low dose Therapie (<0,2mg/kg KG/d) durchgesetzt, da sie wesentlich leichter aufgrund geringerer Nebenwirkung toleriert wird und sich die Compliance der Patienten verbessert.




Prof. Dr. med. Markus Steinert
Ärzte
in und um Biberach an der Riß auf jameda